Angebote schaffen statt auf Nachfrage warten – über die Mobilität der Zukunft im ländlichen Raum

Eine Informationsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen und der Liste Ichenhauser Bürger (LIB)

Vieles von dem, was die Mobilitätsangebote im ländlichen Raum betrifft, wird auf Bundes- und Landesebene entschieden, ehe es sich unmittelbar vor Ort, im Landkreis und in den Kommunen, auswirkt. Welche Vorstellungen Politiker vom Straßenbau, zur Bedeutung der Bahn und zur digitalen Zukunft des Verkehrs haben, wollten die zahlreichen Gäste erfahren, die zu einer gemeinsamen Veranstaltung der Liste Ichenhauser Bürger (LIB) und von Bündnis 90/Die Grünen in den Ichenhauser Dilldappersaal gekommen waren.

Matthias Gastel, Teil der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Verkehrsausschuss, informierte über aktuelle Verkehrsprojekte des Bundes. Also auch darüber, ob, wie und wann die Ortsumfahrung Ichenhausen/ Kötz gebaut wird. Seine Einschätzung: „Das kann sich noch lange hinziehen, bei zu erwartenden Widerständen und vor allem deshalb, weil angesichts des Klimawandels und neuer Technologien großdimensionierte Vorhaben grundlegend zu überdenken sind.“ Nachdrücklich betonte Gastel, dass neue Straßen unabdingbar von innerörtlichen Maßnahmen begleitet sein müssten. Nur dann lasse sich die erwartete Entlastung realisieren. Durchaus denkbar sei aus Gastels Sicht auch, dass dann auf den Neubau einer Straße verzichtet werden könne.

Genauso sieht das auch Ludwig Hartmann, Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion. Für ihn ist der öffentliche Personennahverkehr eine „kommunale Pflichtaufgabe“. Soll dessen Attraktivität erhöht werden, dann könne man sich nicht ausschließlich an der Nachfrage der Bevölkerung orientieren, vielmehr müsse das Angebot an Bus und Bahn merklich erweitert werden. Hartmann bezog sich hierbei auf den Verkehrsverbund im österreichischen Vorarlberg, der vorbildlich und effektiv Mobilität auch ohne eigenen PKW garantiere und deshalb von der Bevölkerung wertgeschätzt und rege in Anspruch genommen werde.

Max Deisenhofer berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Nahverkehr im Landkreis Günzburg: nur ein bescheidenes Angebot, mangelhafte Vertaktung, verspätete oder nicht mehr erreichbare Anschlüsse, Tarifdschungel. Doch vieles könne ohne großen Aufwand verbessert werden, war sich der Grünen-Abgeordnete und Landratskandidat sicher.

Und dies – so hoben alle drei Redner hervor – müsse gerade von jenen politisch gewollt und durchgesetzt werden, die in der Kommunalpolitik verantwortlich sind. So müsse das Flexibus-System optimiert werden und dürfe sich nicht mehr auf einzelne Kommunen beschränken. Dagegen ermögliche ein gemeinsamer Verkehrsverbund, sowohl Busse als auch die Bahn mit nur einem und dann preiswerten Ticket zu nutzen, das auch digital gebucht werden kann. Ein großes und auch für Ichenhausen wichtiges Vorhaben ist hier die Realisierung der Regio-S-Bahn Donau-Iller.

Das Fazit zog Armin Pawellek, Vorstandsmitglied der LIB, der die Veranstaltung moderierte: „Sicherlich bedeutet das Thema `Mobilität im ländlichen Raum` zunächst eine Auflistung von Mängeln und Defiziten. Aber eine andere, nutzer- und zugleich umweltfreundliche, nicht allein auf das Auto fixierte Verkehrspolitik ist denkbar und möglich und kann viel zum Besseren hin verändern.“

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