Gut miteinander leben in Thannhausen

Unser Bild zeigt von links Carsten Pothmann, Max Deisenhofer und Ludwig Hartmann.

Grüne stellten ihre Kandidat(inn)en für Bürgermeister und Stadtrat vor – Zu Gast waren auch Ludwig Hartmann, der Fraktionsvorsitzende im Landtag, und der Landratskandidat Max Deisenhofer

– Text und Bild: Margrit Jordan

Thannhausen. Dass man in Thannhausen den Kommunalwahlkampf mit größtem Interesse verfolgt, zeigte jüngst auch die Wahlveranstaltung der Grünen im gut besuchten Pfarrheim. Nach der Begrüßung durch die Moderatorin Göntje Schmid (Platz 13 der Liste) und den Bürgermeisterkandidaten Carsten Pothmann stellten die 20 Kandidatinnen und Kandidaten für die Stadtratswahl sich und ihre Ziele vor.

Der „ideale Bürgermeister“

Warum die Grünen Carsten Pothmann als idealen Bürgermeister für Thannhausen sehen, führte dieser in seiner anschließenden Vorstellung aus. „Es ist gut, dass ich von außen komme“, meinte der Kandidat, könne er doch Thannhausen unvoreingenommen kennenlernen und sehe die Stadt daher aus einem anderen, vielleicht neuen Blickwinkel.

Anliegen des Kandidaten

So plädiert Pothmann für Mehrgenerationenmodelle, will sich natürlich stark für den Klimaschutz einsetzen und strebt eine vitale, belebtere Innenstadt an. Ein weiteres Anliegen sind ihm die Jugendlichen. Nach einer 2013 erstellten Sozialanalyse liege Thannhausen, die Jugend betreffend, landkreisweit im hinteren Bereich. Deshalb wolle er dieses Thema wieder aufgreifen und den Jugendlichen mehr Freizeitmöglichkeiten verschaffen. Auch in der Gesundheitsvorsorge sieht der Kandidat Handlungsbedarf. Vor allem gehe es darum, Fachärzte nach Thannhausen zu bringen. Pothmann wünscht sich eine innovative Stadt für alle Generationen und Gruppen und will auch das Gemeinschaftsgefühl stärken. Dabei sprach er insbesondere das Ehrenamt und die Vereine an.  „Gut miteinander leben“ müsse hier die Devise lauten.

Deshalb gehe es auch darum, transparente, nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen und die Menschen aktiv mit einzubinden. Zudem müssten messbare Ziele gesetzt werden. Pothmann plädiert dafür, die Stadt mehr innen zu entwickeln, sich wegen Flächennutzungen auch mit den Nachbargemeinden zu unterhalten und Inklusion auf allen Ebenen zu leben.

Ferner hatten sich für diesen Abend zwei hochkarätige politische Gäste angesagt: Max Deisenhofer, der als Landrat den Landkreis zu einer Zukunftsregion machen will, und Ludwig Hartmann, der Fraktionschef der Grünen im Landtag.

Neue Weichen stellen

Deisenhofer, seit 2014 im Kreistag und seit 2018 im Bayerischen Landtag vertreten, hat sich für die Landratskandidatur entschieden. Er dankte den Thannhauser Grünen für deren „hervorragende Arbeit“ und wies darauf hin, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, neue Weichen zu stellen: im Klima- und Umweltschutz, in der Digitalisierung und im öffentlichen Nahverkehr. Max Deisenhofer zeigte anhand von Beispielen, wie wichtig diese Themen im täglichen Leben seien. So wünscht er sich, dass künftig weniger Straßen gebaut werden und statt dessen mehr Geld in einen bezahlbaren Nahverkehr investiert werde. Sodann übergab er das Wort an Ludwig Hartmann.

Kernthemen der Grünen

„Die Grünen haben das Land verändert, und das Land hat die Grünen verändert.“ Mit diesem Satz stieg Hartmann in die Kernthemen der „Grünen“ ein: Klima-und Naturschutz, Flächenverbrauch, Energiepolitik und Mobilität. Die Landwirte seien nicht zufrieden, die Naturschützer und die Verbraucher aber auch nicht. Wenn man mit dem Ist-Zustand nicht mehr zufrieden sei, müsse man von vorne anfangen.

Flächenfraß

Insbesondere prangerte der aus Landsberg stammende Politiker den Flächenverbrauch in Bayern an: „10 Hektar gehen im Freistaat jede Woche für Straßen- und Baugebiete verloren – Flächen, die der Landwirtschaft fehlen.“ Seit 2003 sei die Flächennutzung immer stärker geworden, von ehedem sechs Prozent im Jahr auf 15,6 Prozent gestiegen. Dabei gingen 40 Prozent der Fläche nur für Autos verloren – als  Straßen und Parkplätzen. In Schwaben sei die Flächennutzung immer mehr in die Breite gewachsen, wobei die Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum fast gleich geblieben sei.

Ludwig Hartmann kämpft deshalb zusammen mit den Grünen um eine Verringerung des Flächenverbrauchs von derzeit zehn auf fünf Hektar am Tag. Dies soll durch Nachverdichtung erreicht werden, indem man Baulücken schließt und vorhandene Flächen in der Höhe nutzt. Als Beispiel nannte er Betriebe, die  große Parkflächen durch ein Parkhaus ersetzen und dann die frei gewordene Fläche mit einem eventuell notwendigen Neubau versehen könnten.

Solarstrom und Windräder

Eindeutig sprach sich Hartmann dafür aus, noch mehr Solarstrom zu nutzen, etwa auf Neubauten oder öffentlichen Gebäuden. Auch bräuchte Bayern in den nächsten zehn Jahren noch 1.300 Windräder, wobei man diese bereits bestehenden Anlagen hinzufügen könne. Für die industrielle Nutzung von Energie könne er sich gut vorstellen, Wärmeplattformen zu schaffen, um den Austausch von Wärmegewinn und -abgabe klimatisch zu nutzen.

Mobilität und Wohnraum

Ein großes Thema der Grünen werde in den nächsten Jahren auch die Mobilität sein. Ludwig Hartmann würde es begrüßen, wenn das Busangebot zur kommunalen Sache werde und die 400 Millionen Euro, die für Staatsstraßen veranschlagt seien, für Bus und Bahn ausgegeben würden. Bezüglich der Wohnraumbeschaffung hofft er auf eine schnelle Besserung im sozialen Bereich. 1988 habe es in Bayern 500.000 solcher Wohnungen gegeben. Für sie sei von politischer Seite die Sozialbindungsfrist zu eng gesetzt. Deshalb habe man im Freistaat heute weniger als 140.000 dieser Wohnungen. Die Grünen plädieren deshalb für eine unbefristete Sozialbindungsfrist.

Artenvielfalt

Auch wenn sich Ludwig Hartmann wünscht, die Menschen stärker in politische Entscheidungen einzubinden, plädiert er dafür, dass mitunter auch der Staat die Richtung vorgebe, etwa beim Thema CO². Die Artenvielfalt stand an diesem Abend gleichfalls auf der Agenda. Das Volksbegehren habe dafür gesorgt, dass eine Debatte in der Landwirtschaft angestoßen worden sei. Hartmann selbst sei im steten Austausch mit den Landwirten und könne sich vorstellen, die regionale Landwirtschaft auch durch die Vermarktung von Bioprodukten in öffentlichen Kantinen zu stärken.

„Die Erzeugerpreise müssen wieder nach oben gehen“, so Hartmann. Dies erfordere aber auch eine Reduzierung des Überangebots. Die Kastenhaltung bei Schweinen für weitere 17 Jahre halte er eindeutig für zu lang. Zuletzt plädierte der bayerische Spitzenpolitiker für ein Miteinander auch über Parteigrenzen hinweg: „Das Vertrauen in die Demokratie muss wieder wachsen, nur so wird sie handlungsfähig bleiben.“

Lebhafte Diskussion

Bei der anschließenden Diskussion ging es vor allem um den Naturschutz, und dabei nicht zuletzt um Streuobstwiesen, das Anlegen von Blühflächen und den Schutz der Arten. Mit einem kleinen Bierpräsent, natürlich biologisch, verabschiedeten die Thannhauser Grünen ihre zwei  Gäste, und viele wünschten auch dem Kandidaten Carsten Pothmann sowie den Stadtratskandidaten Erfolg bei der anstehenden Wahl.

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